Lehrstuhl für Chemische Sicherheit und Abwehrenden Brandschutz

Raumstruktur und Leistungsgeschehen der Feuerwehr im ländlichen Raum - Analysen zur Stärkung des Ehrenamts und zur Entwicklung eines vereinfachten Modells der Gefährdungspotentialanalyse

Ziel des Forschungsprojekts ist die systematische Analyse und Bewertung der infrastrukturellen Vorhaltungen sowie des Leistungsgeschehens der kommunalen Feuerwehren in siedlungsstrukturell unterschiedlichen Gebieten. Dabei sollen die Standorte, Fahrzeuge und das Personal inkl. ehrenamtlicher Tätigkeiten der Feuerwehren in Abhängigkeit von der jeweiligen Raumstruktur untersucht werden, um zu ermitteln, in welchem Zusammenhang diese infrastrukturellen Gegebenheiten mit dem tatsächlichen Einsatz- bzw. Leistungsgeschehen stehen. 

Ausgehend von einer Stichprobe von Landkreisen in Rheinland-Pfalz, die nach siedlungsstrukturellen Kriterien ausgewählt werden, soll geprüft werden, ob sich aus den identifizierten Raumstrukturen Unterschiede im normierten Leistungsgeschehen der Feuerwehr ableiten lassen. Darüber hinaus wird untersucht, ob, nach Kontrolle siedlungsstruktureller Einflüsse, weitere Unterschiede bestehen, die auf organisatorische Faktoren zurückzuführen sind. Hierbei werden insbesondere die verschiedenen Organisationsformen der Feuerwehr betrachtet, von rein ehrenamtlichen Feuerwehren über kombinierte Systeme bis hin zu Berufsfeuerwehren. 

Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung des Leistungsgeschehens der Freiwilligen Feuerwehren im ländlichen Raum. Hier soll ermittelt werden, bei welchen Einsatzszenarien bzw. Einsatzstichworten ein grundsätzliches Potential zur Reduktion der Einsatzbelastung besteht, beispielsweise bei Brandmeldeanlagen (BMA-Alarmierungen), Unterstützungsleistungen an Schnittstellen zum Rettungsdienst oder Aufgaben des Straßenbetriebsdienst. Ziel ist es, auf dieser Grundlage Strategien zu entwickeln, die zur Entlastung der Freiwilligen Feuerwehren und damit zur Stärkung des Ehrenamts beitragen können.

Das aufbereitete Einsatzgeschehen in den Gemeinden der untersuchten Landkreise bildet zugleich die Grundlage für die Entwicklung eines vereinfachten Modells der Gefährdungspotentialanalyse. Dieses Modell soll den aktuellen wissenschaftlichen Stand ergänzen, indem neben dem Leistungsgeschehen weitere unabhängige Einflussfaktoren, wie Flächennutzung, Bevölkerungsstruktur oder sozioökonomische Variablen, in einer kleinräumigen Analyse berücksichtigt werden. Dabei ist die Einbeziehung raumdifferenzierter Zensusdaten 2022 vorgesehen. 

Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, durch die Kombination von siedlungsstruktureller Analyse, Leistungsbewertung und Modellentwicklung eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Anpassung und Weiterentwicklung der Feuerwehrstrukturen in unterschiedlichen Raumtypen zu schaffen. Alle Aussagen und Ergebnisse des Projekts beziehen sich dabei explizit auf siedlungsstrukturelle Unterschiede und deren Bedeutung für die Leistungsfähigkeit und Organisation der kommunalen Feuerwehren. Das Projektdesign ist so ausgestaltet, dass keine Aussagen zu einzelnen spezifischen Gegebenheiten oder Kommunen getroffen werden; sämtliche Datenauswertungen erfolgen ausschließlich in anonymisierter bzw. aggregierter Form.

Wichtiges in Kürze:

  • Laufzeit: 36 Monate
  • Projektdurchführung: Lehrstuhl für Chemische Sicherheit und Abwehrenden Brandschutz